Keine Abschiebungen in den Kosovo 17.05 Protest – Morgen, am 17. März, findet ungeachtet zahlreicher Proteste und der Berichte über die aussichtslose Lebenssituation, die Roma im Kosovo erwartet, wieder ein Abschiebeflug von Düsseldorf nach Pristina statt. Unter den Abzuschiebenden befinden sich mindestens 16 Menschen aus dem Münsterland. Auch Familien mit kleinen Kindern und schwer kranke Personen sollen dorthin abgeschoben werden, wo sie weder Arbeit noch Haus, noch Schule, sondern Gewalt und Ausgrenzung erwarten.
Event, Berlin: Tanja Kinzel: Sexismus und Antisemitismus 18.03.2010 // Sexismus, Rassismus und Antisemitismus sind konstitutiv mit der Durchsetzung der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft verbunden. Grundlagen dieser Einstellungen lassen sich historisch an der Entwicklung und Beantwortung der „Frauenfrage“ und der „Judenfrage“ nachvollziehen: In antisemitischen Stereotypen verschmelzen frauenfeindliche Sexualfantasien mit rassistischen Bildern. Im Vortrag geht es um die historischen Entwicklungen und Verschränkungen von Geschlechtsbildern und antisemitischen Vorstellungen – und die Frage, inwiefern diese Bilder heute noch aktuell sind.
Von „Dresden 2010 – eine erste Bilanz“:
Für FelS ist die gelungene Behinderung des zentralen Events der deutschen wie der europäischen Nazi-Szene durch die von einem breiten Bündnis getragenen Massenblockaden eine Bestätigung der langjährigen Bemühungen in diesem Politikfeld. Unser Ziel ist die Überwindung der (Selbst-)Isolation der zum Teil stark subkulturell orientierten Antifa und eine stärker politische-strategisch ausgerichtete Bestimmung von Aktionen wie Aktionsformen. Brennende Mülltonnen und Auseiandersetzungen mit der Polizei können natürlich zum Scheitern eines Nazi-Aufmarschs beitragen, sind aber nicht geeignet, um ein breiteres Spektrum zum Mitmachen zu bewegen. So schön auch die Bilder vehementen und kompromisslosen Protests sind, die solche Aktionen vermitteln, so wenig helfen sie in der alltäglichen politischen Arbeit mit Bündnispartnern. Antifa als Jugendkultur braucht einen Antifaschismus als breite politische Bewegung. Militantes Vorgehen gegen Nazis kann bei aller Legitimität nicht Ersatz so einer Bewegung sein.
Die Anziehungskraft des Bündnisses bestand aber nicht allein aus dessen Breite. Die klare Ankündigung, in Dresden Massenblockaden durchzuführen, von denen keine Eskalation ausgeht, hat entscheidend zu der grandiosen Mobilisierung im Vorfeld beigetragen. Dieser Aktionskonsens ist keine staatstragende Feigheit – im Gegenteil: Die BlockiererInnen nahmen ohne die Chance, rechtzeitig abhauen zu können, Polizeigewalt und Verfahren in Kauf, weil sie an den gemeinsamen Erfolg glaubten. Die Form des Protests war klar definiert und über den engen Rahmen organisierter Antifas hinaus öffentlich kommuniziert worden – im Unterschied zu vielen anderen Mobilisierungen wussten die TeilnehmerInnen worauf sie sich einlassen.
Augen zu und drauf :::: Nach der gewaltsamen Blockade einer Aufführung von Claude Lanzmanns Film »Warum Israel« in Hamburg hat sich das Bündnis um das Internationalistische Zentrum B5 an einer Erklärung versucht.
Obama in der Kritik: Vom Hoffnungsträger zum „obersten Parasiten“ :::: Ein Jahr nach der US-Wahl ist die Obama-Euphorie abgeebbt: Die Linke ist enttäuscht oder ungeduldig. Die Rechte aber schäumt vor Wut und Hass.
arranca! #40 erschienen :::: ‚Scheitern. Ever tried, ever failed?‘
ich stößte zufällig auf ein Interview über den film „Inglorious Basterds“, wo es um der „korrektiver Fantasie“ und dem „latenten Wunsch nach einer alternativen Geschichte“ geht. Yoav Sapir schreibt:
…a bissl Fantasie gehört zu einem guten Film, und zwar nicht nur im Sinne des fiktiven Kriegsendes 1944, sondern vor allem auch im Sinne eines kollektiven Alter-Ego, das anstelle damaliger Juden brutal und, ja, ausgesprochen grausam zurückgeschlagen hätte. Es gibt einen menschlichen Bedarf nach korrektiver Fantasie, insbesondere infolge von Katastrophen. Eben deswegen macht man doch solche Filme. Da spielt die Psychologie, der latente Wunsch nach einer alternativen Geschichte, eine große Rolle.
Der U-Bahn war voll. Ich hatte aber ein Platz gefunden. In der Nähe von mir saß eine Deutschetouristengruppe. Sie quatscht untereinander. Ein Mann mitteln Alters steigt ein, guckt skeptisch rum, und endlich nehmt er einen Platz zwischen mir und der Gruppe. Er ist größ und rund und etwas fröhlich und lustig. Er hat wilde, blonde, lockige Haare unter einer Baseballkappe und sieht sich wie ein größ Kind an. Er sieht ein bisschen wie Michael Moore aus, aber ohne Selbstbewusstsein.
Er fangt mit der Gruppe zu quatschen an, ein bisschen wie ein Clown. Ich höre nicht zu aber zufällig beachte ich das laute Lachen einem Mädel der Gruppe. Ich interessiere mich nicht dafür, aber ich merke dann dass er von „dem gefährlichen Kreuzberg“ und „den Türken“ redet.
Dann stoß er mich an und sagte „Wir müssen die warnen.“
Er erwartet ein Antwort oder mindestens ein Glucksen oder Nicken. Der Clown macht Witze. Er freut sich wenn das Mädel lacht.
Ich bin überrascht und desorientiert und habe keine Ahnung wie zu reagieren. Hält er mich für ein Deutscher? Gibt es kein Grund dann für meine tägliche Paranoia, dass ich wie ein Bunter Bund auffalle?
Ich erinnere daran dass ich gestern meinen Haar sehr kurz geschnitten habe, und dass ich heute vielleicht nicht so fremd aussehe. Aber es geht nicht darum!
Ich nehme ihn für kein Rechtsradikale an — und auch für keinen alten Nazi. Er ist auch nicht böse. Er trät keine politische Linie. Vielleicht wählt er CDU, aber wahrscheinlich hat er nur zwei mal in sein Leben überhaupt gewählt. Vielleicht jobt er ab und zu oder empfängt er Hartz IV. Er ist einfach einsam und will näher an Leuten kömmen, auch wenn er über sich Lustig macht. Und er drückt sich nicht vom Hass aus, eher vom Paranoia und von der Langweile.
Ich wusste das Alles aber noch nicht.
Ich merkte nocht nicht dass er nur von den Türken spricht, und nicht von den Auslander im Allgemeinen. Man kann dann nicht im Allgemeine antworten. Aber ich versuchte ein Weg zu finden.
„Warum müssen wir die warnen?“ antworte ich endlich in seine Richtung mit einer Frage.
„Sie kommen aus Stuttgart und fahren nach Kreuzberg.“
Der Clown sieht so aus, als ob der jeden Tag vor dem Fernseher sitzt und guckt die deutsche Äquivalenz zum Fox News an. Er liest nur Bild Zeitung und ist sehr spiesig. Wahrscheinlich verbringt er seine ganze Freizeit auf einem Garten und war nur zweimal im Ausland. Er geht bestimmt um 20 Uhr punktlich ins Bett mit weisse Socken angezogen.
So wie einem großen Kind, voll Angstlich vor der größe Welt.
Er reagiert auch nicht hart gegen mich, und stellt Kreuzberg dar wie ein Shauspieler von einem Wildwestfilm. Er ist sehr lebendig geworden. Er schwingt eine imaginäre Kette oder ein Seil über sein Kopf wie einen Cowboy oder einen Gangster. Er hat zweifellos zu viele New York Ganster Filme aus der 80er angeshauet. Er versucht Kreuzberg zu erklären. Die Mädel lacht wieder.
Er redet einfach öffenlich mit seinem vorurteilen, und wusste dass die Leute sich über ihn lustig machten.
Er merkte dass ich nicht mitspiele und frage mich, „Aus welchem Land kommst du?“
„Das ist Egal,“ antworte ich schnell.
„Aber es macht ein Unterschied aus welchem Land mann kommt. Ich weiss nicht neben wem ich in der U-Bahn sitze.“ Ich versuche das „Gut Auslander/Schlecht Auslander“ Spiel zu vermeiden.
Ohne wissen ob ich seine Paranoia oder eher seine Darstellung von Türken kritisieren sollte, fange ich etwas orientierungslos an. „Ich habe nie gewalt in Kreuzberg erlebt. Es gibt viele gewalte Deutschen.“
„Aber ich bin nicht gewalttätig.“ Er spricht leise und ist überhaupt nicht wütend oder defensiv.
„Ja, das ist der Punkt.“ Ich sprach gegen eine Allgemeinerung, aber es war der falsche Punkt, weil er verallgemeinert nicht. Und rassismus braucht keine Verallgemeinerung. Er würde zugeben, dass nicht jede Türke eine Kette über sein Kopf schwingt.
Darum geht es nicht. Das Dekonstruktion vom Verallgemeinierung ist keine antirassismus.
Aber ich rede zielos weiter. „Es gibt viele Deutschen, die Leute auf der Strasse prügeln und angreiffen. Es gibt viele Stadteilen in den ich ungerne rumlaufen würde.. nähmlich Lichtenberg, wo ganz viele gewalte Deutschen wohnen.“
Er gibt mich zu. „Das ist eine rechtsradikale Ecke.“
Es war solche eine Unterhaltung wo Mann überhaupt nicht vorbereitet ist, und versucht einerseits diese Rassismus zu bekämpfen (erfolglos), andererseits die Sicherheitsparanoia zu delegitimieren.
Und rr macht denn weiter mit dem sicherheitsparanoia. „Es ist oft gefährlich hier in der U-Bahn.“ Er deutet auf die BVG-Sicherheitspersonell hin, die in der Nähe von uns waren, und sagte „Wir sind aber sicher.“
Ich dachte aber an der Vorfall von letzter Woche in Kreuzberg, wann zwei BVG-Kontrollen belästigt, beschimpft, und gewaltsam ein junge BVG-Fahrgäste mit Migranthintergrund angegriffen haben. Aber ich war schon am Hermannplatz und musste dann aussteigen.
Aber wegen solchen Unfälle gebe ich ihn zu. Kreuzberg ist gefährlich.